Liebe deutsche Besucher,

 

Sie finden hier Informationen

 

über mich in: Vita auf Deutsch

 

und über den Text Folge der Möwe.

 

Si vous habitez en Allemagne, vous pouvez vous procurer les livres directement par moi, utilisez "contact".

 

 

 

Kapitel 3 -

 

Die Entdeckung

 

Es ist schönes Wetter. Mia und Luis nehmen ihre Stiefel und ihr Regenzeug aus dem Scooter heraus und legen sie zum Trocknen auf die Felsen. Luis geht in großen Schritten in Richtung Wald. Auf dem nassen Sand hinterlassen seine Füße kleine Kuhlen. Sie finden einen Pfad. Luis sucht zielstrebig nach dem großen Baum. Dem magischen Baum. Er findet ihn mitten im Wald: Es ist eine Eiche, der weiseste aller Bäume. Die Möwe lacht und die Kinder klettern zu ihr auf dem Baum. Sie schauen sich um, sehen das Meer. Das Meer ist überall – und ganz am Ende des Horizonts die Küste, von der sie aufgebrochen sind. Die Kinder verstehen plötzlich:

„Eine Insel! Wir sind auf einer Insel!“

Da lacht die Möwe auf – sie ist ganz zufrieden. Die Kinder werden immer begeisterter: „Super!“, schreit Mia, „das ist bestimmt eine Schatzinsel, hier werden wir Abenteuer erleben!“

„Ich weiß nicht – und wie kommen wir später wieder nach Hause?“, fragt Luis, der ziemlich beunruhigt darüber ist, wie die Dinge gerade ihren Lauf nehmen.

„Sollen wir nicht ein bisschen bleiben? Wir können doch eine Runde hier drehen und danach auf jeden Fall mit dem Skooter nach Hause fahren.“

„Ja gut, das können wir wirklich machen“, stimmt Luis jetzt zu.

 

Mia und Luis dringen tiefer in den Wald ein. Die Insel ist ganz einfach aufgebaut: Ein hoher Baum, der in der Mitte eines dichten Waldes steht und ein langer weißer Sandstrand drumherum. Aber sie haben noch nicht alles entdeckt…

„Komm, wir gehen da lang….“, schlägt Luis vor.

Sie kommen an einer Lichtung heraus… Und da, an diesem hellen Platz steht ein ganz kleines Haus aus Granit. Sie öffnen ganz vorsichtig die Tür: ein großer Raum mit einem Kamin, einem Tisch, zwei Betten und zwei Stühlen, Schränken, Kissen vor dem Kamin und einer Küchenecke. Das Haus riecht nach frischem Holz. Noch ganz neu. Luis und Mia gehen hinein.

An der Schwelle flüstert Mia: „Ich habe ein bisschen Angst…“

„Komm, hier ist nichts, wir gehen weiter…“

Und Luis zieht Mia am Ärmel. So bleiben sie zwei Minuten in der Sonne  auf der Schwelle des Hauses stehen und hören auf die Geräusche. Da ist ein Knistern und Knacken, aber das sind bestimmt nur kleine Tiere. Mia geht mit entschlossenem Schritt ins Haus und geht auf einen Schrank zu.

„Gucken wir mal rein … Ich habe nämlich Hunger!“

Vom Eingang her ermahnt Luis sie: Wir haben doch schon eine Picknickpause gemacht. Und überhaupt, Mia, man wühlt nicht einfach bei fremden Leuten herum.

„Aber es ist niemand da! Oh schau mal Luis, Brot und Würste! Wir nehmen sie mit nach draußen.“

Auf dem Gras genießen Luis und Mia diese einfache Mahlzeit. Dann laufen sie neugierig wieder los um die Insel zu entdecken, haben dabei viel Spaß und vergessen die Zeit.

 

Plötzlich, beim Sonnenuntergang, als sie wieder auf dem Strand stehen, ist Luis unruhig.

„Ich sehe aber die Küste nicht mehr, von wo wir aufgebrochen sind…“

Mia ist erstaunt.

„Vorhin hat man sie noch gesehen…“

Verunsichert laufen sie zum magischen Baum und klettern auf einen hohen Ast, um eine bessere Aussicht zu haben. Da verschlägt es ihnen die Sprache.

„Es sieht so aus, als ob wir uns bewegt hätten…“, sagt Luis.

„Wie meinst du das, „bewegt“?“

„Guck mal, man sieht die Küste überhaupt nicht mehr. Als ob sie verschwunden wäre. Wir sind geschwommen, wie auf einem Floß.“

„Wir sind aber auf einer Insel, nicht auf einem Floß!“

Mia ist den Tränen nahe. Es ist ja ganz nett, eine Insel zu entdecken, aber wie soll man dann wieder nach Hause kommen? Und sie können niemanden anrufen… Kein Handy, keine Brieftaube, selbst die Möwe ist verschwunden.

(...)


Copyright Pascale Rousseau